Presse
Richhard-Merten-Preis 2001
"IORT" setzt neue Maßstäbe in der Krebsbehandlung
Richard-Merten-Preis 2001 ging an Prof. Georgios Sakas und Prof. Dr. Nikolaos Zamboglou
Den Richard-Merten-Preis 2001 für "herausragende Leistungen in der Entwicklung zur Qualitätssicherung in der Medizin" erhielten Prof. Dr. Georgios Sakas und Prof. Dr. Nikolaos Zamboglou. Der renommierte Fachpreis zeichnet das zukunftsweisende Projekt "IORT - System zur Qualitätssicherung und Dokumentation bei der intraoperativen Radiotherapie" aus.
Der Wissenschaftler Georgios Sakas vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD und sein Projektpartner Prof. Zamboglou von der Strahlenklinik Offenbach nahmen die mit 10.000 Mark dotierte Auszeichnung entgegen. Die Preisvergabe erfolgte am 31. Oktober 2001 im Rahmen einer festlichen Feierstunde im Kurhaus Wiesbaden. Den Festvortrag vor zahlreichen Gästen aus dem In- und Ausland hielt Prof. Peter Oberender von der
Universität Bayreuth. Die Laudatio auf die Preisträger sprach Dr. Mario Weiss, Geschäftsführer der Unternehmensberatung GAIA, Hamburg.
Das ausgezeichnete Projekt "IORT" setzt neue Maßstäbe in der Krebsbehandlung. Die Forscher entwickelten ein leistungsfähiges, chirurgisches Visualisierungs- und Dokumentationsystem, das die intraoperative Radiotherapie (IORT) nachhaltig unterstützt.
IORT wird eingesetzt, um operativ nicht entfernbare Tumorreste nach einem chirurgischen Eingriff zu bestrahlen, denn diese Fragmente sind häufig die Ursache für weitere bösartige Wucherungen (Rezidive). Die mit IORT verfügbare multifunktionale Software erfasst computertomographische (CT)-, Röntgen- oder Ultraschallaufnahmen und wandelt sie in dreidimensionale Volumendaten um. Daraus entsteht ein virtuelles Patientenbild, das dem operierenden Arzt auf einem PC-Monitor angezeigt wird. Die aktuellen, intraoperativen Daten aus der Eingriffsstelle werden in diese Simulation eingeblendet. Dies geschieht über ein integriertes Navigationssystem, das - angekoppelt an das jeweilige chirurgische Instrument - die exakte Lage und Orientiertung des Instrumentes im Körperinneren wiedergibt. Jetzt können auf dem CT identifizierte, verbliebene Tumorteile gezielt lokalisiert werden. Der Radiologe kann nun präzise einen röhrchenförmigen Einsatz (Tubus) oder ein Gitter aus Kanälen zur Führung der Strahlungsdosis, sog. Flab, im Tumorbett platzieren. Damit kann zum einen die entsprechende Strahlendosis punktgenau verabreicht werden bei minimaler Belastung umliegenden Gewebes oder Organen. Zum anderen entsteht eine exakte quantitative Dokumentation über die erfolgte Bestrahlung des Patienten.
Das Projekt zur medizinischen Qualitätsicherung wurde in Zusammenarbeit mit den Städtischen Kliniken Offenbach realisiert.
"In der Krebstherapie ist zielgerichtete Bestrahlung ein lebensrettender Faktor, deshalb ist die stetige Überprüfung und der Austausch von Wissen zu dieser Behandlungsmethode besonders wichtig" betont Prof. Dr. Georgios Sakas, Leiter der Abteilung "Cognitive Computing & Medical Image" am Fraunhofer IGD. Mit IORT können Ärzte ihre eigene medizinische Diagnostik und Therapie zeitnah überprüfen und korrigieren, denn jede onkologische Operation wird vollständig dokumentiert und lässt sich später nach Belieben analysieren. So kann z. B. nach dem radiotherapeutischen Eingriff das Vorgehen jederzeit mit einem Fachkollegen besprochen werden. Ferner lässt sich die hochwertige Dokumentation für medizinischen Aus- und Weiterbildungszwecke sowie zur Überprüfung der Wirksamkeit einer bestimmten Methode nutzen.
Auch eine Telekonsultation ist ohne weiteres möglich, denn das ausgereifte System basiert auf der InViVo-Software, für die - in das Telemedizin-System TeleInVivo eingebracht - Georgios Sakas bereits den "European Information Society Technology Grand Prize" 2001 erhielt.
Die innovativen Ansätze der prämierten Arbeit für die Medizin lobte Dr. Mario Weiss, ein Gewinner des vergangenen Jahres, in seiner Laudatio. Den Preisträgern sei es gelungen, diese Ansätze auch als positiven Beitrag zur Qualitätssicherung zu kommunizieren.
Neue, zukunftsweisende Therapieansätze und technische Lösungen in Bereichen wie der Radioonkologie seien für die Qualitätssicherung im Gesundheitswesen von hoher Bedeutung, hob Prof. Dr. Peter Oberender in seinem Festvortrag hervor. Denn medizinische Leistungen würden zunehmend in ihrem Umfang beschränkt und geringer vergütet. Der Volkwirtschaftler Peter Oberender forderte im Rahmen seines Vortrages Politiker und Mediziner auf, sich für eine Reform der staatlichen Budgetierungspolitik einzusetzen. Das schaffe Anreize für die Mediziner ihre Leistungen für die Patienten zu optimieren ohne an anderer Stelle medizinische Versorgung streichen zu müssen.
FOCUS: Die Ärzte-Liste 2000 – Teil 6 (FOCUS Nr. 48)
Strahlen gegen Krebs
Im sechsten Teil der Ärzte-Liste stellt FOCUS insgesamt 119 Spezialisten für Radiologie, Strahlentherapie und Tumorerkrankungen vor.
Die Focus Liste der Strahlentherapeuten finden Sie unter folgendem Link: Übersicht Strahlentherapeuten.
Unter www.focus.de ist der Artikel einzusehen. Im Folgenden finden Sie einen Auszug aus dem Artikel:
Wegweiser zum Spezialisten
Wer dringend eine ärztliche Behandlung benötigt, ist auf fachmännische Hilfe angewiesen. FOCUS ermittelte in einer fünfmonatigen Recherche, welche Mediziner von Kollegen und Patienten besonders empfohlen werden. Erstmals im Überblick: die medizinischen Schwerpunkte der Ärztereputation im Kollegenkreis.
Als Arzt: FOCUS dokumentiert, wer als praktizierender Arzt überregional anerkannt ist und von Fachkollegen wegen seines medizinischen Könnens häufig empfohlen wurde.
Als Medizinforscher: Aufgeführt sind Ärzte, die in wissenschaftlichen Fachkreisen geschätzt werden und sich einen guten Ruf als Forscher erworben haben.
Empfehlungen von Patienten: Eine bundesweite Recherche ermittelte, bei welchen Ärzten Patienten gute Erfahrungen machten und die deshalb ausdrücklich empfohlen wurden.
Erstmalig: Worauf die Ärzte spezialisiert sind. Die Behandlungsschwerpunkte beruhen auf Eigenangaben der Ärzte. Zusammenhängende Spezialisierungen wurden zu einer Gruppe zusammengefasst.
Fakten zu Arzt und Abteilung - Qualitätsmanagement: Alle Ärzte wurden um detaillierte Angaben zur Qualitätssicherung gebeten. Der daraus errechnete Score wurde in eine dreistufige Skala übertragen und spiegelt das Bemühen einer Abteilung wider, die Qualität zu sichern bzw. zu verbessern.
Publikationen: Alle Ärzte, die in den vergangenen zehn Jahren häufig publizierten, sind in der Tabelle besonders gekennzeichnet.
Wie die Ärzte-Listen entstanden
FOCUS befragte 1500 Chefärzte und Oberärzte. Sie gaben schriftliche Nennungen von empfehlenswerten Kollegen und Fachabteilungen ab.
538 Klinikchefs: Die Mediziner äußerten in bis zu einstündigen Interviews ihre Einschätzung von fachlich besonders kompetenten Vertretern ihres Bereichs.
15 000 niedergelassene Ärzte: Sie empfahlen Klinikärzte, Fachabteilungen von Krankenhäusern und niedergelassene Kollegen.
850 Selbsthilfegruppen: Dank ihrer regen Mitarbeit konnten die wichtigen Erfahrungen von Patienten mit Ärzten berücksichtigt werden.
FOCUS ermittelte das Qualitätsmanagement: In Zusammenarbeit mit dem Kölner Institut für Gesundheitsökonomie entwickelte FOCUS einen QualitätsmanagementScore. Das Institut wertete den Einsatz von Leitlinien, interaktive Fortbildungen, die Verwendung von Computerwarnprogrammen sowie die Anzahl bestimmter Eingriffe für das Jahr 1999 aus.
die Publikationen: Für jeden Arzt wurde die Anzahl seiner Veröffentlichungen der letzten Jahre registriert, die in der internationalen Medizin-Datenbank PubMed – basierend auf Medline – aufgenommen sind.
Selbstauskünfte über Spezialisierungen: FOCUS befragte die Ärzte entsprechend der Musterberufsordnung nach ihren drei wichtigsten Untersuchungs- und Behandlungsmethoden.
Kassenpatienten: Die Ärzte gaben an, ob sie gesetzlich versicherte Patienten behandeln.
13th Australasian Brachytherapy Group Annual Scientific Meeting
Professor Nikolaos Zamboglou MD, PhD
Professor Zamboglou has held the position of Medical Director and Chairman of Radiation Medicine at Städtische Kliniken Offenbach, Germany since 1992. Professor Zamboglou received his medical degree from the University of Essen, Germany in 1984. Prior to that, he had had extensive experience in Physics, culminating in him receiving his PhD from the University of Düsseldorf, Germany in 1977. He completed his thesis in medicine at the Faculty of Medicine, University of Essen, Germany in 1987 and was awarded the Venia Legendi in Radiation Oncology at the Faculty of Medicine, University of Düsseldorf in 1990.
Professor Zamboglou is an internationally recognised expert in the field of imaged based brachytherapy. He and his team in Offenbach have developed much of the precise technology, which has propelled brachytherapy to the forefront of treatment options for a number of cancer sites. Professor Zamboglou has published extensively and is considered an international authority in the area of technical innovations in brachytherapy.
Krebsmagazin.de - Interview mit DEGRO-Präsident Prof. Zamboglou
Prof. Dr. Nikolaos Zamboglou, Präsident der DEGRO,
Klinikum Offenbach
Sehr geehrter Herr Prof. Zamboglou, wie steht es um die Entwicklung der Strahlentherapie in Deutschland?
Nun, die Bedeutung der Strahlentherapie nimmt innerhalb der Medizin – insbesondere bei der Behandlung von Tumorpatienten - immer mehr zu, denn wir Strahlentherapeuten verfügen über innovative und leistungsstarke Technologiemöglichkeiten die hochpräzise und sehr nebenwirkungsarm Behandlungsergebnisse erzielen können, die noch vor Jahren undenkbar erschienen. Auch nehmen die Patientenzahlen zu. Mit der zunehmenden Veralterung der bundesdeutschen Gesellschaft – im Jahre 2030 wird der Anteil der über 65 jährigen Bürgerinnen und Bürger von heute 15% auf dann 30% steigen, nimmt auch die Häufigkeit von Alterskrankheiten wie Krebs zu. Da ca. 60% aller Tumorpatienten eine Bestrahlung erhalten führt dies zu einer enormen Anstieg der zu behandelnden Patienten.
Woran liegt es denn, das es so lange dauert, bis Innovationen in Deutschland zur Anwendung kommen?
Leider sind diese Technologien sehr teuer. Zum einen existiert in Deutschland keine einheitliche Strukturplanung für die Bedarfsdeckung an modernen Bestrahlungsgeräten – den sogenannten Linearbeschleunigern. Während beispielsweise in den Niederlanden in Kürze 7,8 Beschleuniger pro Million Einwohner zur Verfügung stehen, in Dänemark 10,4 und in Großbritannien 6,8 sind es in Deutschland derzeit nur 5,5 solcher Geräte pro Million Einwohner. Es wäre sinnvoll diese Zentren aufzurüsten und auf den modernsten Stand der Technik zu bringen. Auch werden zwar innovative Behandlungsverfahren in Deutschland entwickelt und in alle Welt exportiert – doch ist ihr Einsatz hierzulande aus finanziellen Gründen nicht gesichert. Innovationen wie die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) werden in Deutschland nicht vergütet. Der zeitliche, apparative und personelle Aufwand ist jedoch wesentlich höher, als bei einer herkömmlichen dreidimensionalen Bestrahlungstechnik. Darum konnte das Verfahren bislang nur an wenigen Zentren für die Routine etabliert werden. Wir bedauern dies, denn IMRT wurde beispielsweise von deutschen Ärzten und Physikern mit entwickelt und bietet neben einer nachgewiesenen, verbesserten Behandlungsqualität für Patienten auch interessante wirtschaftliche Perspektiven. Im Ausland wurden inzwischen diese Innovationen zügig übernommen, entsprechend kommerzialisiert und in die klinische Routine überführt. Etwas Ähnliches ist in der medikamentösen Therapie undenkbar: Wenn die Wirksamkeit einer Substanz durch klinische Studien bewiesen wurde, müssen die Kassen die entsprechenden Kosten übernehmen. Zum anderen kommen bürokratische Gründe hinzu. Wir sind derzeit besorgt um die künftige Entwicklung der Strahlenforschung. Beispielsweise werden Lehrstühle für Strahlenbiologie und Strahlenphysik zunehmend aus Kostengründen geschlossen und talentierte junge Wissenschaftler wandern in andere Länder ab. Vorschriften und eine überholte Gesetzgebung erhöhen ferner die Bürokratie, steigern Kosten und verlängern vielfach Genehmigungsverfahren.
Was ist Ihre Forderung an die Politik und andere Verantwortliche in unserem Gesundheitswesen?
Lasst uns nachweisliche bürokratische Hemmnisse, die die Strahlenforschung erschweren, beseitigen. Die Strahlentherapie hat zwar am Anfang hohe Investitionskosten aber über die Jahre ist sie nicht nur effizient, sondern auch Kostengünstig.
Vielen Dank für das Interview!
Nachzulesen unter: www.krebsmagazin.de
